Sie überlegten, ob sie erst eine Weile in der Sonne dösen oder gleich ins Wasser springen sollten. Und während sie so dasaßen huschte im Wasser ein großer Fisch blitzschnell vorbei.
“Hast du den gesehen, Pssst? Der war ja riesig.”
“Ja, hab ich. Ganz schön gewaltig.”
Und schwups – schon wieder huschte dieser extrem große Fisch direkt an ihnen vorbei. Wie immer ließ Pssst seine Zehen im Wasser baumeln. Hatte ihn der Fisch nicht gerade gestriffen mit seiner großen Schwanzflosse?
Da! Jetzt. Das war eindeutig. Der Fisch hatte seinen Fuß angestupst.
“Du, Klaus. Der spielt mit meinem Fuß.”
“Ach Quatsch. Glaub ich nicht.” Der kleine Rabe Klaus schaute ungläubig.
“Doch! Wirklich. Wenn ich es dir doch sage. … Da! Wieder. Jetzt reichts. Mein Fuß ist doch kein Fußball für freche Fische.”
Und schon war Pssst im Wasser verschwunden.
“Hey! Du da. Komm mal her.” Vorsichtig näherte sich der Fisch dem Waldeisbären. Hatte der Fisch Angst? Oder war er schüchtern?
“Was soll das? Warum spielst du mit meinem Fuß?”
“Hallo. Ich bin Klara. Und wer bist du?”
Ui. Der Fisch hatte einen Namen. Wie unhöflich von Pssst sich nicht erst ordentlich vorzustellen.
“Also ich bin Pssst, der Waldeisbär. Und das da hinten ist mein Freund, der Rabe Klaus.”
“Hallo Pssst. Hallo Klaus. Ich bin Klara, die Forelle. Ich wollte nur ein bisschen mit euch spielen. Mir ists manchmal hier so langweilig im Fluss.”
“Du willst mit uns spielen? Was willst du denn mit uns spielen?” wollte der Rabe Klaus wissen.
“Na wir könnten doch ‘Freunde sein’ spielen.” mit gesenktem Blick wartete die Forelle gespannt auf die Antwort.
“Freunde sein? Aber das spielt man doch nicht! Das ist man einfach so. Wenn man jemanden mag und gern mit ihm spielt. Und wenn man sich gegenseitig hilft und füreinander da ist. Dann ist man Freunde.”
“Ach so. Tut mir Leid. Ich hatte keine Ahnung von ‘Freunde sein’.”
Verstohlen schaute die Forelle Klara weiter zu Pssst und Klaus. Sie wartete, was nun passieren würde.
Klaus und Pssst schauten sich an und überlegten, was sie tun sollten.
“Du Pssst. Ich glaub, die Forelle da will mit uns spielen. Wollen wir versuchen Freunde zu sein. Ich finde die ganz nett, glaub ich.” flüsterte Klaus in Richtung des Waldeisbären.
“Jo. Also. Nett find ich sie auch. Und wo sie so freundlich gefragt hat, können wir doch einfach mal ein bisschen miteinander spielen und schauen ob wir Freunde werden.”
Gesagt, getan. Sie spielten zu dritt im Wasser. An Land konnte die Forelle ja leider nicht herumtollen. Fische leben nur im Wasser. An Land bekommen sie keine Luft.
Sie tauchten miteinander um die Wette. Sie sammelten die schönsten Steine. Die Forelle Klara zeigte ihren beiden neuen Freunden geheime Höhlen im Fluss und verriet ihnen, wo man sich am besten verstecken konnte. In die meisten Verstecke passte Pssst zwar nicht rein, weil er so groß war. Aber für Klaus waren diese Informationen prima. Und Pssst schaute sich jede Ecke neugierig an.
So spielten sie den ganzen Tag miteinander und hatten viel Spaß. Und als es Abend wurde, mussten sich Klaus und Pssst von Klara verabschieden.
“Ich glaube, wir sind jetzt Freunde. Du bist prima Klara. Wir kommen morgen wieder. Versprochen!”
Stolz schaute die Forelle Klara zu ihren beiden neuen Freunden hoch. “Danke! Das ist furchtbar lieb von euch. Ich freu mich schon, wieder mit euch spielen zu können. Machts gut und kommt gut nachhause.”
Und zufrieden lächelnd schlenderten der Rabe Klaus und der Waldeisbär Pssst nachhause.
So endet für heute diese Geschichte vom Raben Klaus und dem Waldeisbären Pssst.
Geschichte Nr. 05/2006_08

