“Hey, hau ab hier, du dickes großes Ding.”
Pssst war gerade stehen geblieben um an einem sehr alten Baum hinauf zu schauen. Redete da jemand mit ihm?
“Klaus? Hast du das auch gehört?”
“Jo. Hab ich. Die meinen dich.”
“Wer sind DIE?”
“Na die fünf Ameisten um deinen Fuß rum.”
“Oh!”
Pssst schaute nach unten und sah tatsächlich fünf zornig zu ihm hinauf blickende Waldameisen. “Was geht ab Jungs?” brummte er zu ihnen hinunter.
“Nix geht du Tollpatsch! Du stehst auf unserem Ameisenpfad. Und mein bester Kumpel ist genau unter deinem dicken, hässlichen Fuß.”
“Sag nicht dass mein Fuß hässlich ist, sonst…” Pssst begann gerade sich aufzuplustern, da stoppte ihn Klaus.
“Lass mal gut sein Pssst. Geh lieber ein Stück weiter bevor sie anfangen deinen Fuß zu kitzeln. Und der arme kleine Kerl da unter dir – dem gehts bestimmt auch nicht so toll!”
Der Rabe Klaus hatte Recht, überlegte sich Pssst. Ganz vorsichtig hob er seinen linken Fuß. Erleichtert atmeten die Ameisen auf. Schnell kam eine weitere Ameise unter dem Fuß hervor gekrochen.
“Puhh. Bin ich kaputt. Lange hätte ich das nicht mehr ausgehalten. Immer diese blinden Trampel hier im Wald.”
Die kleine Ameise sah noch ganz fertig und platt aus. Pssst tat sie richtig Leid. Leise und vorsichtig ging der Waldeisbär weiter.
“Warte mal Pssst. Sollten wir uns nicht vielleicht entschuldigen?” bemerkte Klaus.
“Hmmm. Du hast wohl Recht. … Hey, Jungs. Tut mir Leid. Ich hoffe, ich hab keinem wirklich weh getan. Aber ihr seid auch echt schlecht zu sehen hier auf dem Waldboden.”
“Naja, schon gut. Ist ja zum Glück nix passiert. Wir kennen das schon. Darum trainieren wir auch jeden Tag. Damit unsere Körper stark und kräftig sind und es aushalten, wenn so ein großer Kloß wie du auf uns drauftritt. Aber schön ist es trotzdem nicht. Also pass in Zukunft vielleicht ein bisschen besser auf, ob du gerade einen Ameisenpfad kreuzt. Wir können nämlich auch ganz anders!” Und die Ameise, die anscheinend der Chef der kleinen Gruppe war, erzählte nun mit stolzgeschwellter Brust, wie sie neulich ein Wildschwein so lange gepiesackt hatten, bis es wutschnaubend davon gerannt war und im Weglaufen geflucht hatte, diesen Teil des Waldes nie wieder zu betreten.
“Was habt ihr denn gemacht mit dem Wildschwein?” wollte Klaus unbedingt wissen.
“Wir haben es fast eine Minunte lang mit unserem Ameisen-Zauber-Saft besprüht. Den trägt jede Ameise bei sich. Ha – das zeugt brennt und juckt. Da wird selbst ein faul auf unserem Ameisenpfad liegendes Wildschwein fast wahnsinnig.” Breit grinste die Ameise zu den beiden hoch.
“Hui. Na dann muss ich ja froh sein, dass ihr das Zeug nicht bei mir ausgepackt habt!” Und erleichtert schlenderten Pssst und der kleine Rabe Klaus weiter. Sie würden heute Abend ihren Eltern viel zu erzählen haben.
Geschichte Nummer 03/2006_08

