Geht es auch ohne China-Produkte?
Es ging zuletzt mehrfach durch die Medien: in den USA hatte ein Familie versucht ein Jahr lang ohne jegliche Produkte “Made in China” auszukommen. Und auch im deutschen Fernsehen versuchte man es einen Monat lang. Und musste in beiden Experimenten feststellen, das dieses fast unmöglich ist. (siehe hierzu den Tagesspiegel-Artikel “Überleben ohne Made in China”).
Ja – auch im Zwergen-Saloon gibt es einige Produkte “Made in China”. Ginge es auch ohne? Unsere Antwort: ja, wenn man will, ginge es auch ohne. Zum Glück. Aber mit sehr hohem unternehmerischem Risiko. Es gibt noch (bzw. wieder) etliche Firmen, die tatsächlich noch hierzulande fertigen. Dazu gehören Erzi, Ebert, Anker, OGAS Spielschiffe, Baufix, Kellner Steckfiguren, Annedore Krebs, Spielstabil, Wader und noch etliche mehr. Aber, auch das muss klar und deutlich gesagt werden, wir würden einige unserer umsatzstärksten Segmente einbüßen, wenn wir komplett auf chinesische Ware verzichten würden. Ich denke da unter anderem an die Spielfiguren von Papo und an den ganzen “Kleinkram” wie Flummies, Spielkarten, Bücher (!!!), Puzzle, Tattoos usw., die einen so niedrigen Preis haben und daher viel gekauft werden. Diese Artikel kommen fast ausschließlich aus Fernost.
Alternativen zeigt die Initiative “Ja zu Deutschland” auf, von der ich hoffe, das sie schnell wächst und viel Medienecho erfährt. Den Menschen dort draußen kann und MUSS bewusst gemacht werden, das sie ein Stück weit selbst verantwortlich sind für das massive Abwandern von Arbeitsplätzen und Geldern nach China, ein Land, das die Menschenrechte tagtäglich mit Füßen tritt. Aber es geht nicht nur GEGEN China, sondern vor allem auch FÜR Deutschland! Denn Arbeitsplätze hierzulande heißen zum einen, das man viel besser sagen kann, was an Farben, Schutzlacken, Klebstoffen, Basismaterial (Holz aus D) und dergleichen
in der Produktion verwendet wurde. Die Produktion ist durch die Verwendung einheimischer Rohstoffe deutlich von Nachhaltigkeit geprägt. Und: es werden Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen, die Menschen/Familien ein Auskommen sichern und das Leben hier in Deutschland wieder lebenswerter machen. Wenn DAS keine Argumente sind? FÜR Deutschland.
Wir würden etliche Kundinnen und Kunden verlieren, würden wir uns nur auf Produkte “Made in Germany” oder “Made in Europe” beschränken. Und das können wir uns (noch) aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten.
Aber was man als Spielwarengeschäft tun kann, ist ganz bewusst den Anteil an Produkten aus Deutschland hoch zu halten. Und genau das tun wir. Haben wir die Wahl, nehmen wir immer die Firma, die hierzulande produziert. Auch wenn dann die Buddelschippe womöglich 10 Cent teurer ist. Dafür ist immer auch die Qualität deutlich besser. Aber bestimmte Produktgruppen werden gar nicht mehr in Europa gefertigt. Da haben wir im Einkauf keine Wahl.
Und was man noch tun kann, ist eine Fertigung in Deutschland zu unterstützen, besser zu promoten (was wir auch tun – wir empfehlen bevorzugt im direkten Gespräch mit der Kundin das Produkt aus Deutschland) und selbst hierzulande zu fertigen. Genau darum haben wir ganz bewusst für unser BabyRocker.de auf den Standort Deutschland gesetzt.
Man kann etwas tun FÜR den Standort Deutschland! Aber ganz ohne China ist es super schwer als Einzelhändler zu überleben. Ich will nicht sagen unmöglich. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht, ginge es sogar mit dem Überleben. Aber es wäre ein existentielles Risiko, das wir uns zumindest nicht leisten können.


Auch wir leben seit einigen Monaten OHNE Produkte China, der Anfang war natürlich schwer, aber nach einiger Zeit hat man seine ADressen beisammen. Zeitgleich haben wir unsere Lebensmittel umgestellt, Metzgerei statt Fleisch aus dem Supermarkt, Brot selbst backen statt Massenware von diversen Großbäckereien, Obst und Gemüse nur nach Saison vom Bauern, statt Importware aus “Sonst-wo-her”. Sportkleidung von TRIGEMA statt ADIDAS, PUMA, NIKE usw. aus Asien. Tontöpfe einer kleinen Töpferei statt Tupperware mit Weichmachern. Das lässt sich unendlich fortschreiben doch WIR KÖNNEN ALLE NUR DAZU ERMUTIGEN ES ZU VERSUCHEN – ES LOHNT SICH FÜR ALLE.
Kommentar von Holger Wildt — 12. Juli 2009 @ 12:49
Hopla, bitte mein erstes Kommentar loeschen. Irgendwas ging da falsch.
—
wow, echt toller artikel. Ich wohne in Kanada und hier wird noch weniger hergestellt als in Deutschland (Deutschland ist ja wirklich noch ein Land, dass tatsaechlich noch sehr viel herstellt und exportiert).
Ich glaube es wird sich in China noch einiges aendern in den naechsten 10 Jahren oder so. Die investieren (”financial bail outs”) gerade sehr viel darin, dass Chinesen ihre eigenen Produkte anfangen zu kaufen und geben ihrer eigene Wirtschaft so richtig Schwung. Auf die Dauer werden deren Lohnkosten sehr ansteigen, wodurch die Produkte dann wider teurer werden. Der Markt wird sich dadurch etwas regulieren.
Davon abgesehen, finde ich es aus wirtschaftlichen Gruenden sehr wichtig, dass Deutsche wieder mehr Made in Germany kaufen, weil ja sonst sehr viel Geld aus dem Land fliesst. Das ist alles ja ganz einfach Wirtschaftswissenschaft.
Also nochmal vielen Dank fuer diesen Artikel.
Viele Gruesse ueber den grossen Teich.
HaJo
Ps: Uebrigens, Eure Google Adwords Werbung auf der rechten Seite wirbt fuer “Top Chinese Wholesale manufacturers”.
Kommentar von Hans-Jörn — 5. Dezember 2009 @ 18:51