Die Kindergeschichten vom Raben Klaus:
“Was flitzt da Rotes durch den Wald?”
Also trotteten der kleine Rabe Klaus und sein bester Freund, der Waldeisbär Pssst missmutig durch den weißen Winterwald und plauderten über dies und das.
Plötzlich huschte hinter den Bäumen etwas blitzschnell vorbei.
“Was war das? Hast du das gesehen, Pssst?”
“Ja, hab ich. Das war rot. Ganz rot.”
“Ja – und davor waren riesige Tiere mit großen Hörnern.”
“Ich würd sagen, das waren Elche. Und ich glaube, die zogen eine Kutsche…”
“Aber was war das Rote?”
Beide standen mit gerunzelter Stirn mitten im Wald.
“Hallo ihr beiden.” Igel Ingo und Igel Ines liefen ihnen über den Weg.
“Hallo Ines. Hallo Ingo.” sagten die beiden Freunde gleichzeitig.
“Habt ihr den roten Schlitten gerade vorbeiflitzen sehen?” wollte Pssst von Ines und Ingo wissen.
“Ein roter Schlitten? Waren da Elche vorgespannt?”
“Ja, da waren Elche. Siehste Klaus. Sag ich doch: Elche.”
“Oijojio. Da habt ihr wohl tatsächlich den Weihnachtsmann-Schlitten gesehen. Das passiert nur ganz selten, dass ihn jemand im Wald sieht. Darauf könnt ihr sehr stolz sein!”
“Der Weihnachtsmann? Den gibt es wirklich?”
“Na klar gibt es den Weihnachtsmann! Der bringt doch die Geschenke für die Kinder. Und das Christkind hilft ihm dabei.”
“Wirklich? Und wann kommt er? Nicht das wir ihn verpassen?”
“Naja. Also. Was sagen denn eure Eltern?” wollte Ines wissen.
“Nichts sagen sie. Die haben uns Spielen geschickt.” Mit beleidigter Miene schaute Klaus auf die beiden Igel.
“Wohl damit sie sich allein mit dem Weihnachtsmann unterhalten können. Wir sollen erst wiederkommen, wenn es dunkel wird.” presste der kleine Rabe hervor.
“Na aber es ist doch schon fast dunkel ihr beiden. Schnell nachhause mit euch. Der Weihnachtsmann war bestimmt schon da!”
Und freudig strahlend machten sich Igel Ines und Igel Ingo wieder auf den Weg.
Klaus und Pssst schauten sich an. Die Igel hatten recht. Es wurde dunkel! Schnell machten sie sich auf den Heimweg.
Zuhause angekommen, öffneten sie vorsichtig die Tür, schauten durch einen kleinen Spalt hinein in die warme Stube und sahen…. ohhhhhh …
Wie hell es in der Wohnung strahlte! Und welche Wärme ihnen entgegenschlug. Und wie lecker es roch.
Schnell schlüpften die beiden Freunde hinein.
Der Weihnachtsbaum strahlte von vielen wunderbaren Kerzen. Und unter dem Weihnachtsbaum lagen lauter bunte Pakete. Und in einer Ecke saß ein großer Mann mit einem langen weißen Bart und einem langen roten Mantel und schaute mit lustig blitzenden Augen zu ihnen hinüber.
“Kommt nur herein, ihr beiden.” sagten die Mamas von Pssst und Klaus. “Der Weihnachtsmann ist da. Und er hat Geschenke für euch mitgebracht.”
Verlegen standen Klaus und Pssst im Raum.
“Wir haben dich gesehen. Mit deinem Schlitten. Und den Elchen davor.” sagte ganz mutig der kleine Rabe Klaus.
“Soso. Ihr habt mich gesehen! Da habt ihr aber gute Augen, ihr beiden.” dröhnte der Weihnachtsmann mit tiefer Stimme.
“Habt ihr auch ein Gedicht gelernt für mich?”
Ui – das Gedicht. Daran hatten Klaus und Pssst gar nicht mehr gedacht.
Aber klar hatten sie ein Gedicht gelernt.
Beide stellten sich auf und schon klang es schüchtern aus den beiden:
Der Weihnachtsmann geht um das Haus.
Er will mich heut besuchen.
Er kommt von weit her,
sein Sack ist ganz schwer,
ganz schwer von Pfefferkuchen.
Ja von weit da kommt er her,
denn es weihnachtet so sehr.
Das Christkind hilft ihm heut dabei,
auf das es überall weihnachtlich sei.
Wir sind nun schon ganz aufgeregt,
hat er ein Geschenk für uns unter den Baum gelegt?
Der Weihnachtsmann strahlte über das ganze Gesicht. Das hatte ihm gut gefallen!
Und Klaus und Pssst schauten stolz und mit roten Wangen zu ihm auf.
Jetzt war Weihnachten.
Geschichte Nummer 13/2006_12

